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Cafe R & B beim Bluesfestival in Schöppingen am 23.05.2010
Was Cafe R & B hier ausspielten, was die Begriffe Rhythm & Blues nach dem heißen Cafe bedeuteten zeigte mir noch lange nachhallend und darüber nachsinnierend und auf baldige Wiederholung hoffend die Band aus Los Angeles California.
So präsentierten uns ab 20 Uhr beim Niederländischen Bier Bluesfestival in Schöppingen die überhaupt nicht bewegungsresistente Roach, ihres Zeichen die Stimm(e)gewaltige, Betonung auf gewaltige, Mehrbetonung auf Stimme, und ihre 4 Männer ihre Musik in einer sehr bekömmlichen Rezeptur.

Wenn wie in diesem Fall der Rhythm und der Blues auch noch anständig Soul und Rock und Funk beinhalten, sich mit großen Emotionen und Hingabe und Begeisterung und Humor vermischen, kocht und brodelt und schwitzt das Ganze ungemein. Das fühlte sich alles alright an, auch den Augen wurde das volle Programm geboten.

Wie beim Eyjafjallajökull brannte und rauchte es auf und von der Bühne, aber anstelle der von dem Vulkan ausgespieenen Umwelt - und oder Gesundheitsgefährdungen taten uns diese Emissionen des Singvulkans Roach und der 4 Jungs richtig gut, Blues Is The Healer, genau, oder?

Die Band:
Roach – Gesang, aber so kann man das nicht nur nennen, vielleicht Gesang mit gewaltigen Eruptionen, sie lebt die Musik in allen Facetten auf der Bühne, sie ist laut und leise, tief und hoch, jubelnd und wispernd, sie funkt und brennt, sie springt und tobt, sie lacht viel und hat Spaß, viel Spaß, da schmeißte dich hin!
"Stellt euch Etta James vor, wie sie auf einer Harley aus einem aktiven Vulkan gefahren kommt - dann habt ihr eine ungefähre Vorstellung über die Stimmgewalt von Roach." Dies attestierte das Hit Magazine aus Los Angeles!
Mir fällt dazu ein: Stell dir vor, Aretha Franklin röhrt im Duett mit Koko Taylor im Bluesmobil unter dem Loop her durch die Häuserschluchten von Chicago Downtown. Und dann noch ihr Entertainment, ihr Talent als Tänzerin, sie shakt Hips und ihre Legs und Feets und ist wohl die unangefochtene Nummer 1 beim Wettbewerb im Stöckelschuhweitttipkick.

Und die männlichen Musikmeister, die nicht nur den Rahmen für Roach zimmerten:
Byl Carruthers – Gitarre, Arrangeur und Komponist etlicher hier vorgetragener Lieder, Ehemann von Roach, beherrscht seine Saiten grandios.

Und die Rhythmusgrundierer allererster Güte:
Bobby Pickett – Bass, er singt fast jeden Ton seiner Basssaiten mit und im Background
Don Swanson – Schlagzeug und wie, er beat it, Backgroundsänger
Steve Utstein – Keyboard, nicht nur schwarzweiß Beherrscher, einige feine Soloeinschübe, Backgroundsänger.

Mein(e) liebe(r) Frau/Herr Kapellmeister, was mischten die da oben uns hier unten auf dem Rasen vor der Bühne auf, die Musik und die Stimmung brachte die Grashalme des Festivalgeländes zum swingen und im angrenzenden Vechtebad musste der Bademeister Pril ins Wasserbecken schütten, um die ausgelösten Wellen zu glätten und einige Fliesen mussten wohl neu fixiert werden.

"Born Under A Bad Sign" ist ein von Booker T. Jones und William Bell für einen King komponierter Klassiker des Blues, die Version mit Albert King ist diejenige welche, heute Abend in der Interpretation von Cafe R & B stehen die Vorzeichen nicht auf schlecht, im Gegenteil, Byl twangt mit der Fender los, die Rhythmustruppe legt nach und Roach röhrt sich den Soul aus jeder Pore ihres Körpers, ein feines Solo von Byl in der Mitte des Vortrags, die Rhythmustruppe senkt den Laustärkepegel und Steve steuert nach der feinen Saitenbearbeitung von Byl noch das gewisse Extra in Form eines kleinen feinen Tastenfeuerwerks bei bevor die Männer das Feld wieder für Roach bestellen, ihre Stimme trägt den Song ins Finale Furioso, der Beifall der lauschenden Blueshundertschaft danach ist schallend.

Bluesgitarrist Buddy Guy, der diese Truppe vergöttert und liebend gerne als Hausband für seinen Musikclub in Chicago verpflichten würde, ist zusammen mit seinem oftmaligen Blueskompagnon Junior Wells, seines Zeichen Harmonikameister, der Komponist des Liedes " Snatch It Back And Hold It ", der Bühnenfünfer haucht diesem Stück ein etwas anderes Leben ein, verzerrter und etwas lässiger als das Original und wieder twangt die Gitarre mit einigen Licks und passenden Fills und Steve yamahasiert mit.

Byl schrieb seiner Ehegattin den " Black Cat Blues " auf das Kleid, der und das sitzt bei ihr wie angegossen, ein feines Honky Tonk Piano würzt diesen 12 Takter, das Schlagzeug schleppt schön leicht hinterher und Bobby basst auf. Roach bringt die Töne in den Abend, die den Soul in den Blues verankern.

Beim "How Long Blues", auch ein Song von Byl komponiert, singt Frau Carruthers fast genauso laid back wie damals Billie Holiday bei ihrem Song " I Cover The Waterfront ", die Stimmung kommt jedenfalls bei mir so rüber, ein sehr schöner Slowblues mit sparsamer Instrumentierung, fine, fine, fine.
Bei den beiden Muddy Waters Songs " Gipsy Woman und Walkin` Thru The Park " geben sie uns allen hier vor der Bühne weilenden Bluestrunkenen zum wiederholten Male alles, die Jungs grooven wie die Sau – tschulligung – und Roach groovt von leise bis laut und spricht und singt uns alle selig, oh Lord, have no mercy.
Der Chess Haus – und Hofkomponist Willie Dixon ist verantwortlich, verantwortlich für " I Just Want To Make Love To You ", das uns die Band auch noch in die Ohren knallt, mit Wahwahsouligem Keyboard, die Gitarre gibt ein gutlauniges Zwischenspiel mit furchtbaren Riffs und Licks, furchtbar gut, und Roach holt alles aus ihrem Stimmrepertoire an die Öffentlichkeit.

Die Leiber / Stoller Komposition " Hound Dog ", die 1952 Big Mama Thornton rausröhrte, der Liedtext hat nix mit Hunden zu tun und ist angereichert mit sexuellen Metaphern(Hound Dog - Schürzenjäger), dieses Lied wurde in einer rockigeren Version berühmt durch den King of RockenRoll, das gab’s für uns auch noch, das funzte los wie ein Jagdhund, der das Wild jagt, wir rockten und rollten und twisteten mit de(r)n Bühnenarbeiter/in(n) mit und die Zugabe " Killin` Floor " ließ nochmal und wieder mal das große Können aller Beteiligten von der Bühne, ein grandioses Konzert war leider viel zu schnell vorbei.

Am CD Stand gab’s noch ein bisschen Smalltalk mit den Musikern, alle freuten sich über den sehr gelungenen Auftritt hier, die Band war übrigens zum ersten Mal aber sicherlich nicht zum letzten Mal in deutschen Landen, Dank an alle Beteiligten und beim Wiedersehen vergesse ich auch nicht den Photoapparat.

Noch was, die nach dem Konzert gekauften CD`s der Band brachten den CD Player in meinem Twingo zum Swingen, bei der Rückfahrt nach Hilden hatte ich keinen Viertakter mehr, sondern einen 12 Takter mit jeder Menge Soul.

Cafe R&B im Netz: www.caferandb.com
Fotos von Cafe R&B und anderen Bands beim grolsch Bluestival 2010: www.kulturring-schoeppingen.de

Volker Fröhmer (RockLiveRadio)

E-Mail: volker@rockliveradio.de
Internet: www.rockliveradio.de

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